Cairns – Cape Tribulation – Great Barrier Reef – Zusammenfassung Ostkueste Australien
Das letzte Kapitel der Ostkueste nutze ich nun fuer eine Art Zusammenfassung und "Abrechnung" mit dem touristischsten Teil der Erde, den ich bisher erlebt habe.
In Cairns habe ich als erstes eine Tour nach Cape Tribulation gebucht, da dies ueberall und von allen empfohlen wurde. Aber ich muss sagen, das war die bisher groesste Enttaeschung der extrem touristischen und von Deutschen geradezu ueberlaufenen Ostkueste Australiens!
Wir wurden frueh abgeholt und so begaben wir uns (12 Personen) auf dem Weg nach Cape Tribulation. Das Cape Trib ist der nordoestliche Zipfel Australiens, wo es die aeltesten Regenwaelder der Erde und hunderte Tier- und Pflanzenarten geben soll. Unter anderem zahlreiche Krokodile, 7 der zehn giftigsten Schlangenarten der Erde usw. Wir fuhren auf dem Weg dorthin am Mossman Gorge vorbei (Fluss, wo man evtl. baden kann, aber bei uns war das Wasser zu hoch) und an einem Zoo, wo wir einen Cassowary bestaunten – jeder der einen sehen will sollte zu www.google.de gehen und das Wort eingeben. Es ist mir irgendwie zu bloed, Tiere, die komplett hinter Gittern sind zu fotografieren.
Dann fuhren wir weiter ueber den Daintree River. Dieser verbindet das "Festland" mit dem Cape Trib. Von unserem Tourguide Pete wurde noch gross angekuendigt, dass wir jetzt die Zivilisation verlassen (und ich dachte YUHUUU!) aber bei ihm bestand der Unterschied zwischen Zivilisation und Nicht-Zivilisation wohl nur darin, ob man Handyempfang hat oder nicht. Sonst sah ich keinen Unterschied – es gab geteerte Strassen, oeffentliche Toiletten, Cafes, Supermarkt, Apotheke, Restaurant, Resort&Spa Hotels usw…. So weit ist die Menschheit also schon – Prostmahlzeit ;-)
Wir fuhren noch an einem Aussichtspunkt vorbei und dann in die verschiedenen Unterkuenfte, die man vorher buchen musste. Ich stieg im Ferntree Hostel ab, was sich als Unterkunft fuer betagtere Personen herausstellte, was ja grundsaetzlich kein Problem ist. Sowas ist mir lieber als diese "Ballermann – Unterkuenfte" die man an der gesamten Ostkueste findet…
Dort war ich mit nem schweigsamen Norweger (Thor) und einer verrueckten aber lustigen Israelin (Luisa) im Zimmer. Zum Glueck buchte ich keine weitere der suendhaft teuren Touren sondern ging spazieren und kochte. Beim Spazierengehen am Strand und durch den Dschungel – befestigte Wege im Dschungel sind sicher auch ein Zeichen von nicht vorhandener Zivilisation – waren relativ wenige Leute unterwegs, was auf jeden Fall einen Bonuspunkt gibt.
Thor machte einen Nightwalk durch den Dschungel was sich als totaler Flopp herausstellte, da man nichts gesehen hat…
Das Spazierengehen war aber sehr nett. Ich entdeckte riesige Flughunde, Spinnen, Heuschrecken in lustigen Farben, Raupen in ebenfalls lustigen Farben, Schmetterlinge (JAAA, ich sah den Ulysses, den man nicht so leicht sieht aber fuer ein Foto war er zu schnell!!) und noch einige andere fliegende Tiere und Tierchen.
Um wenigstens ein bisschen Geld zu sparen entschied ich mich fuer das beste Essen der Welt – Spaghetti mit fertiger Bolognesesauce. Um mal Preise zu nennen: Die Nudeln kosteten gute 2,50 EUR und die Sauce gute 6 EUR. Aber man hat ja zwei extrem leckere Essen davon… :-)
Die Nacht war ruhig. Am naechsten Morgen ging ich erneut spazieren und wurde um ca. 14 Uhr abgeholt um auf dem Daintree River eine Bootstour mit Krokodilsuche zu unternehmen. Das war ganz nett. Wir fuhren auf dem riesigen Fluss entlang und sahen ein grosses, ein ca. 1,5 Jahre altes und ein Baby (ca. 0,5 Jahre alt). Ausserdem einen Kingfisher Vogel und lustige andere Flattertiere.
Danach gings zurueck in die "Zivilisation" , d.h. zum Ballermann – aehhhh nach Cairns. Ich war wirklich sehr enttaeuscht von dem ganzen Trip. Auch ueberhaupt von der Ostkueste Australiens und irgendwie kam das alles an diesem Abend hoch. Ich war so richtig sauer. Ich glaub, ich schimpfte der Resi beim Skypen richtig die Ohren voll – Sorry wenns zuviel war Theresa…
Es kann doch nicht sein, dass ich der einzige bin, der sich teilweise von der Touristenabzocke verarscht vorkommt – und am darauf folgenden Abend fand ich endlich Gleichgesinnte. Sowohl in meinem Zimmer waren zwei Maedels (1 Deutsch, 1 Holland) die beide von der Ostkueste enttaeuscht waren und sich einfach etwas komplett anderes vorgestellt hatten. Beim Essen traf ich dann zufaellig auf Anna und Saskia, ebenso Deutsch, die sich mal so richtig ueber diesen extrem teuren und touristischen (ich wiederhole mich sicherlich) Streifen Australiens ausgelassen haben! Ach war das herrlich endlich stundenlang einfach zu Schimpfen und zu Laestern! In so gut wie allem waren wir uns komplett einig. Z.B. darin, dass es ein totaler Witz ist, das was hier 75% der Leute machen "Auslandserfahrung" zu nennen. Das ist das Gleiche, wie wenn man 6 Monate nach Palma de Mallorca geht und das Auslandserfahrung nennt! Wahnsinn, und zu sowas wollten mich meine Professoren immer ueberreden. "Geh nach Australien, da sammelt man Auslandserfahrung". So ein Witz!!! Hier laufen mehr Deutsche als in Deutschland rum und saufen kann ich in Muenchen, am Ballermann und ueberall auf der Welt!!!
Und das was Anna und Saskia erzaehlt haben, dass sie einige getroffen haben, die seit Monaten nur im Hostel rumflacken und jeden Abend Filme auf ihrem Laptop schaun, saufen und schlafen glaube ich sofort!
Das mit den Laptops muss man sich sowieso mal auf der Zunge zergehen lassen. Hier gibt es bei Burger King und McDonalds und sicherlich noch bei anderen Orten kostenlos WIFI Zugang. Wirklich 80% der Leute sitzen beim MAC und haben einen Laptop vor sich – wie krank ist das denn!?!?! Das kann man schwer beschreiben aber man weiss auf den ersten Blick nicht ist es ein MAC oder ein Internetcafe. Wie wird das denn in 10 Jahren sein – da kommste wohl gar nicht mehr in den MAC rein, wenn du keinen Laptop hast!?
Total krank!
DANKE Anna und Saskia! DANKE fuers Laestern, fuer den guten Plastiktueten-Wein, fuer eure witzigen Geschichten und fuer den neuen Mut, den ihr mir dadurch gegeben habt!
Am Tag darauf ruhte ich mich ein wenig aus und buchte wiederum fuer den folgenden Tag eine Tauch- und Schnorcheltour ins Great Barrier Reef. Dieser Ausflug war der Beste, den ich bisher erleben durfte (nach Fraser Island).
Wir wurden frueh abgeholt und zum Boot (Reef Experience) gebracht. Dort setzte ich mich neben zwei US-Maedels aus California die ganz nett waren. Mir gegenueber sassen 3 Chinesen.
Die Fahrt ins Reef (erster Stopp Hastings Reef) dauerte gute 2 Stunden. Nach guten 3 Minuten Fahrt war die erste Chinesin mir gegenueber total seekrank. Da hatte der lustige Organisator noch gar nicht angefangen seine Tipps gegen Seekrankheit (u.a. kostenlose Ingwertabletten) zu erzaehlen. Als die Dame mit den Tabletten an unseren Tisch kam sah sie die Chinesin mit grossen Augen an und traute den Augen wohl nicht so ganz, denn nach 3 Minuten seekrank zu sein (bei NICHT DEN GERINGSTEN WELLEN) hat sie wohl auch noch nicht gesehen. Naja, die Chinesin kaempfte noch ein wenig. Als "es" soweit war sahen es zwei der Crewmitglieder. Der eine rannte zu den Kotztueten, sprang ueber den Tresen und hielt ihr gerade noch einen Tuete vor den Mund – das gab High-5 mit den anderen Crewmitgliedern :-)
Nach ca. 1 Stunde Fahrt merkte ich auch, dass es wohl mal besser waere raus zu gehen. Mir war nicht uebel, aber leicht mulmig und draussen beruhigt sich das meist schnell wieder. Ich ging bei der Tuer raus und traute meinen Augen kaum. Das ganze Boot war voll mit kotzenden Passagieren! Sowas hab ich noch nicht gesehen. Also schnell ins Eck und aufs offene Meer schauen – sonst kotz ich nicht wegen Seekrankheit sondern wegen kotzenden Seekranken… :-)
Naja, als wir ankamen bekamen wir eine kurze Einweisung ins Tauchen – es sollte ja mein erster Tauchversuch werden. Mulmig war mir schon, denn so ohne ist das Tauchen dann auch wieder nicht… Da ich aber erst in Gruppe 8 war gings erstmal zum schnorcheln. Dort bekam ich richtig Hoehenangst, weil ich natuerlich erst ins falsche Teil des Reefs geschwommen bin, der mal so richtig tief war. Also raus ausm Wasser und gesagt, dass ich nicht tauchen werde – denn wenn ich schon Angst beim Schnorcheln bekomme….
Naja der Crewtyp meinte dann: "Come on, guy, do it for me – you will love it!"
OK dachte ich dann komm ich halt in 10 Minuten nochmal und sag dann ab. Also nochmal schnorcheln und diesmal in den richtigen Teil des Reefs. Und da wars saugeil! Die Sicht war nicht die beste (Indonesien war um klassen besser!!) aber dafuer schwomm eine richtig grosse Schildkroete direkt neben und unter mir. Ich folgte der Schildkroete mindestens 30 Minuten und genoss dieses gechillte Schwimmen! Wehe meine ca. 10 Fotos mit der Unterwasserkamera werden nichts!!!
Dann wurde meine Gruppe gerufen und ich schwamm ploetzlich richtig motiviert zum Tauchen. Guertel rum, Flasche drauf und als es hiess "are you ready to do down" sagte ich nur "Yes!" und rein mit dem Stoepsel in den Mund. Unter Wasser zu atmen ist halt etwas Neues fuer mich. Also atmete ich erstmal so schnell als gaebe es bald keine Luft mehr und sah vor lauter Blasen den Tauchlehrer nicht mehr… :-)
Also wieder hoch und der Tauchlehrer meinte "Relax, relax". Das nahm ich mir zu Herzen und beim zweiten Versuch gings deutlich besser! War richtig geil das Gefuehl unter Wasser. Ich musste mich dann an einer Art Leiter wie einige andere festhalten und nachdem die letzten meiner Gruppe runtergeholt wurden gings noch ein bisschen weiter runter. Leider bekam ich dann schnell Ohrenprobleme. Das mit dem Druckausgleich hat nicht funktioniert. Der Tauchlehrer meinte ich soll doch den Kopf schief legen oder die Nase zu und so den Druck ausgleichen aber das hat alles nicht geklappt – LEIDER!
So warens im Endeffekt ca. 3 Meter unter Wasser und ich wollte dann wieder hoch. Wenn ich Schmerzen im Ohr hab machts keinen Spass.
Naja egal, danach wurde noch geschnorchelt, gegessen und nochmals geschnorchelt am zweiten Punkt, dem Michaelson Reef.
Die Chinesin lag uebrigens mittlerweile auf einer Bank im Boot (so wie die gesamte restliche Zeit). Sie ass den ganzen Tag nichts, trank nichts (ausser einem Glas Wasser). Sie sah einfach nur tot aus. Ich habe in meinem Leben noch keinen so kreidebleichen Menschen gesehen! Was fuer ein Ausflug…
Beim Zurueckfahren gabs Cracker und Wein. Ein sehr gelungener Ausflug an dem ich richtig Blut geleckt habe was das Tauchen betrifft. Dieses ruhige Dasein unter Wasser hat was!!!
Noch einen Tag in Cairns muss ich aushalten und dann gehts weiter nach Alice Springs zum Uluru, den Kata Tjuta (Valley of the Winds) und dem Kings Canyon! 2 Naechte Camping unter freiem Himmel – freu mich richtig drauf! Endlich mehr Abenteuer!!!!
Erstellt am Dienstag 28. September 2010
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