„The Rock Tour“ im Outback (Kings Canyon, Kata Tjuta = The Olgas, Uluru = Ayers Rock)
Ahhhhhh, das ist das Australien wie ich es mir vorgestellt habe! Endlos weite Strassen, bruetende Hitze tagsueber – und eiskalte Naechte, alle 100 km eine kleine Tankstelle – eben das Outback!
Der Trip mit der „Rock Tour“ war dermassen perfekt, dass ich ihm ein ganz eigenes Kapitel widmen muss!
Ich bin mit dem Flugzeug aus Cairns puenktlich und ohne Probleme in Alice Springs gelandet, wo der Shuttle Service meines Hostels (Alice Lodge Backpackers) schon auf die neuen Gaeste gewartet hat. Das Hostel war sehr schoen mit Pool, grossem Zimmer, sehr sauber und dazu gibts kostenlos Internet sowie Tee und Kaffee den ganzen Tag! Sehr zu empfehlen!!!
Den ersten Tag verbrachte ich mit einem kleinen Spaziergang ins „Stadtzentrum“, wobei das eher ein Dorfzentrum ist, denn Alice Springs ist nicht so gross wie ich es erwartet habe. Und noch dazu haengen dort zahlreiche Aboriginis den ganzen Tag versoffen rum. Das ist echt ein trauriger Anblick!
Da aber auch die ganze Welt ein Dorf ist traf ich dort den schweigsamen Norweger aus Cape Tribulation, der dann natuerlich auch auf meiner Tour wieder dabei war… :-)
Da ich am naechsten Tag schon um 6 Uhr fuer die Tour abgeholt werden sollte ging ich relativ frueh ins Bett. Am darauf folgenden Tag war ich sogar schon vor dem Wecker (5:00 Uhr) wach! Die innere Uhr funktioniert also doch ganz gut…
Insgesamt waren 16 Personen in meinem Tourbus. Und endlich ein gemischtes Volk von 18 – ca. 35 jaehrigen! Inkl. mir 3 Deutsche, 1 Franzose (Julien), 2 Schweizer (Bettina und Ruben), 1 Australier (Michael), 1 Kanadier (Luke), der Norweger (Thor), unser Tourguide Leslie und der Rest waren Asiaten aller Laender (Korea, China, Malasiya, Japan). Leider hielten sich die Asiaten bei allem sehr zurueck und blieben grundsaetzlich lieber unter sich. Mit dieser Einstellung gingen sie mir (und auch einigen anderen) mit der Zeit etwas auf die Nerven!
Unser Tourguide war Franzoesin, was mich am Anfang etwas irritierte. Denn in Australien erwarte ich eher Australier… Naja aber sie war wirklich klasse! Sehr lustig, total locker, hat hervorragend gekocht und war grundsaetzlich einfach gut organisiert! Dickes Lob (hab ich im Kommentar-Buch bei der Rock Tour auch schon verewigt)!!
Nach relativ kurzer Fahrzeit wurde jeder Teilnehmer gebeten, sich kurz ueber Mikrofon vorzustellen, weil wir ja die naechsten 3 Tage miteinander verbringen werden. Kurz darauf machten wir kleine Kennenlernspielchen – mit 3 verschiedenen Personen jeweils 10 Minuten quatschen und anschliessed etwas ueber die Personen erzaehlen. Klingt affig, wars auch! Leslie hatte aber auch gute Musik fuer die jeweilige Tageszeit im Ipod und so verging die Zeit sehr schnell.
Am ersten Tag fuhren wir zum Kings Canyon, dem ersten Highlight der Tour. Dort angekommen wurde jeder nochmals daran erinnert, seine 1,5 Liter Flasche zum Trinken mitzunehmen, da er sie brauchen wird! Man schwitzt, aber da die Luft so extrem trocken ist, merkt man das nicht. Also muss man staendig trinken, auch wenn man keinen Durst hat! Unser Guide hat uns mindestens 5 mal darauf hingewiesen, als wir noch grosse Flaschen kaufen konnten!
Eine der Chinesinnen hatte natuerlich nur 0,5 Liter dabei und so haette sie Leslie nicht gehen lassen. Aber Ruben hatte noch eine Flasche uebrig und gab sie ihr. Trotzdem trank sie gut wie gar nicht und war die naechsten Tage mehr als nur KO – sie war wirklich krank. Tja, man lernt nie aus. Und genau deshalb ist der Weg bei extremer Hitze gesperrt – die Leute sind einfach zu bloed auf Warn- und Hinweisschilder zu achten!!
Der Rundweg ca. 3 Stunden ueber dem Canyon war toll. Sehr beeindruckende Landschaft. Vor allem der Garden of Eden – eine Art Oase mitten im Canyon – war toll. Dort wird im Sommer grundsaetzlich gebadet, aber bei uns war es fast zu frisch dazu.
Nach dem Rundweg fuhren wir weiter um unser Camp fuer die erste Nacht zu beziehen. Auf dem Weg mussten wir noch Holz sammeln fuer das Lagefeuer. Auch hier stellten sich viele Asiaten nicht sehr geschickt an und hielten sich lieber raus als mitzuhelfen…
Ausserdem gab Leslie vor der letzten Tankstelle eine Bierliste rum, in der jeder eintragen konnte, wieviel er die naechsten Tage trinken will :-) So koennen wir gleich groessere Traeger kaufen und kommen billiger weg. Insgesamt waren es 60 Bier, wobei Julien (trinkt kein Bier) und die Asiaten 0-1 eingetragen haben und wir restlichen uns das Bier teilten… Es gibt doch nichts geileres als ein kuehles Bierchen am Lagerfeuer oder beim Sonnenuntergang am Uluru!
Als wir im Lager ankamen war es schon dunkel. Jeder versuchte sich irgendwie nuetzlich zu machen: das Holz abladen, Feuer machen, Gemuese fuers Essen schneiden, Kuhscheisse von unseren Schlafplaetzen entfernen, die Swags (unsere Schlafgrundlage) aufrichten usw. Max, einer der Deutschen, konnte super Gitarre spielen und so war staendig fuer musikalische Unterhaltung nebenbei gesorgt. Leslie kochte dann am Lagerfeuer das Chilli + Reis sowie frisches Brot fuer unser erstes Abendessen. Wow, war das lecker! So gut hab ich hier in Australien noch nicht gegessen!
Danach gabs noch ein paar Bierchen und ab ins Bett bzw den Swag. Der Swag ist eine Art sehr grosser Schlafsack inkl. Matratze in den man seinen eigenen Schlafsack steckt. So ists schoen warm und weich. Wir schliefen also tatsaechlich ohne Zelt am Lagerfeuer unter freiem Himmel – ohne Wolke am Himmel! Das war einfach unglaublich schoen! Ich sah unzaehlige Sternschnuppen am ersten Abend, die ich natuerlich vor allem meiner lieben Theresa gewidmet habe… ;-)
Die Nacht verlief auch ganz ruhig, wobei mein Nachbar Luke einige merkwuerdige Schnarchgeraeusche von sich gab. Aber da ich saumuede war schlief ich gut. Es war nur etwas kalt, da ein ordentlicher Wind ging und naja im Outback ist halt nichts, das vor Wind schuetzt… So zog ich meinen Kaputzenpulli an, Kaputze ueber den Kopf, Schlafsack/Swag bis zur Nase und so gings… Es ist halt wie Wueste. D.h. tagsueber 35 Grad und Nachts 5 Grad!
Am naechsten Morgen hiess es um 5:30 Uhr RAUS aus den Federn und ab zu Kata Tjuta! Erstmal gabs aber Fruehstueck am Lager. Danach fuhren wir zum Campingplatz fuer die zweite Nacht. Dort war die Mehrzahl fuer einen Platz naehe der Toiletten und Dusche – leider. Haette gerne nochmals ausserhalb geschlafen!
Es gab dann auch erstmal eine Dusche und danachgings los. Von dort war es auch nicht mehr weit zu Kata Tjuta (The Olgas). Auch dort ist es so, dass der Weg durch das „Valley of the Winds“ bei extremen Temperatuern gesperrt ist. Bei uns war es aber auch hier OK und so gingen wir den ganzen Weg, der ca. 4 Stunden gedauert hat. Dieser war unglaublich! Wahnsinn, wie das dort aussieht! Das ist halt der Uluru mal 30 oder so. Kata Tjuta ist den Aboriginis auch heiliger als der Uluru, da dieser mittlerweile zu touristisch ist. Deshalb ist auch nur ein sehr geringer Teil (das „Valley of the Winds“, das uebrigens seinem Namen alle Ehre macht…) fuer eine Wanderung freigegeben. In anderen Gebieten werden immer noch Zeremonien abgehalten!
Nach der Wanderung hatten wir alle ordentlich Hunger und fuhren zu einem Rastplatz in der Naehe. Dort gabs das restliche Chilli von gestern und noch einige weitere Sachen fuer selbst zu gestaltende Wraps! Seeeehr lecker!
Nachmittags fuhren wir dann zum Uluru und machten ca. 1/4 des Basewalk, d.h. des Wegs um den Uluru herum. Leslie war dabei und erklaerte uns einige der Geschichten und der Zeichnungen die dort zu sehen waren. Der Uluru wurde tausende Jahre lang von den Aboriginis besucht um Zeremonien, Feste usw. abzuhalten. Ausserdem hat im Grunde jeder Stein irgendeine Bedeutung fuer die Aboriginis und ihre „Dreamtime-Geschichten“.
Sehr interessant war dann auch ein Besuch des Cultural Center am Uluru! Dort waren z.B. hunderte Briefe von Personen ausgestellt, die Steine, Sand o.ae. vom Uluru als Andenken mitgenommen haben und seitdem nur noch Pech im Leben hatten. Mit der Ruecksendung der Steine hoffen Sie auf „Vergebung“ und dass das Glueck wieder zurueckkehrt. Voll krass…
Der Aufstieg war an diesem Tag auch freigegeben, was aber von den Aboriginis ueberhaupt nicht gerne gesehen wird. Es ist so, dass mittlerweile die Aboriginis wieder die Eigentuemer des Uluru sind, jedoch den Nationalpark fuer 99 Jahre an die australische Regierung verpachten mussten. Und Teil des Deals (Rueckuebertragung des Eigentums) war auch, dass der Aufstieg ermoeglicht wird. Aber die Aboriginigs bezeichnen die Leute, die den heiligen Uluru besteigen als „Ants“ und verachten diese! Daher haette ich ihn auch nie bestiegen!
Nach dem Basewalk fuhren wir zum Sunset-Platz um den Sonnenuntergang mit ca. 500 anderen Touris zu sehen (Bromo laesst Gruessen!). Dieser war aber auch super! Der Uluru wird von der untergehenden Sonne mit immer anderen Farben beschienen und leuchtet mal gelb, rot, dunkelrot, braun usw. Nebenbei ein Bierchen und einige lustige Fotos mit den anderen Teilnehmern.
Leslie bereitete zwischenzeitlich das Abendessen zu und das genossen wir dann am Parkplatz, als alle anderen Busse bereits wieder gefahren sind. Ein Traum – und wieder extrem lecker! Danach gings zurueck ins Lager fuer unsere zweite Nacht unter freiem Himmel. Diesmal widmente ich die erneut zahlreichen Sternschnuppen allerdings nicht mehr Theresa sondern meinen Eltern, Bruder, Theresas Family, meinen Kollegen und Freunden, dem Weltfrieden, dem Umweltschutz usw. Mir sind dann irgendwann die Themen ausgegangen :-))
Am dritten Tag hiess es um 4:30 Uhr RAUS aus den Federn um den Sonnenaufgang am Uluru zu sehen. Es gibt einen eigenen Sonnenaufgangsplatz dafuer (wie eben einen Sonnenuntergangsplatz auf der anderen Seite). Aber da das Farbspiel sehr aehnlich sein wird (meinte Leslie) entschieden wir uns dafuer, nochmals zum Sonnenuntergangsplatz zu fahren. 1. Ist dort keine Sau, weil alle zur anderen Seite fahren und 2. ist der Eindruck des Uluru dann ein anderer – es ist einfach der Umriss zu sehen und dahinter geht die Sonne auf. Das war auch hammergeil!!!
Dort gabs dann nebenbei Fruehstueck und danach gings zum Uluru selbst. Der Aufstieg war an diesem Tag gesperrt aufgrund des starken Winds. Also mussten bzw. durften wir den Basewalk gehen (einmal um den Uluru rum). Jeder durfte dabei entscheiden, ob er den vollen oder halben Weg gehen will – fuer beides haette man 2 Stunden Zeit. Es entschieden sich tatsaechlich alle (auch die Asiaten) fuer den vollen Weg. Das war allerdings seeehr ambitioniert. Ich bin fast gelaufen – ohne Pause – und kam gerade so rechtzeitig zurueck. Leslie haette zwar niemandem den Kopf abgerissen, der spaet kommt, aber naja das will halt einfach niemand.
Der Rundweg war schoen, aber ohne Guide – Leslie hat leider vergessen den Anhaenger zu schliessen und verlor auf dem Weg 3 Gepaeckstuecke, die sie wieder suchen musste – ists halt nur ein grosser Huegel. Wenn man ueber die Zeichnungen und Geschichten nichts erfaehrt ist das einfach alles halb so interessant!
Am Bus angekommen gabs noch nen kleinen Kuchen und dann gings auch schon Richtung Alice Springs zurueck. Die Fahrt dauert schliesslich gute 6 Stunden. Wir luden dann 6 Leute direkt in Yulara (Ort neben Uluru) ab, die direkt von dort weiter fliegen. Wenn ich das gewusst haette, dass es dort einen Flughafen gibt…
Naja aber die Rueckfahrt war so sehr nett. Es war viel Platz im Auto und man konnte sich richtig ausbreiten. Da fast alle schliefen (verstaendlich) setzte ich mich zu Leslie nach vorne und unterhielt mich mit ihr die gesamte Rueckfahrt. Ist ein geiles Gefuehl da vorne zu sitzen und die endlos langen Strassen zu sehen! Nebenbei spielten wir noch ein „Australienquiz“ und hielten noch bei einer Kamelfarm, wo man Kamele reiten kann wenn man will. Aber das hat keiner gemacht. Allerdings sahen wir auch kurz darauf wilde Kamele, was viel geiler war!
Gegen Ende der Fahrt war ich dann allerdings auch so unglaublich muede, dass ich in einer sehr akrobatischen Stellung einschlief – ich merkte das, konnte aber aufgrund meiner Muedigkeit einfach nichts dagegen machen…
Zurueck in Alice Springs gings unter die Dusche und dann gabs auch schon die (kurze) Abschlussfete in der „Rock Bar“. Dort tauschten wir natuerlich alle Namen und Emails aus und waren alle froh, ins Bett zu kommen!
Wie gesagt ein perfekter, abtenteuerlicher Trip! Einfach herrlich!
Erstellt am Samstag 9. Oktober 2010
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